13. Februar 2014

"Hansetochter" von Sabine Weiß

591 Seiten
ISBN: 9783404168873
Verlag: Bastei Lübbe
Lübeck 1375. In Henrikes Leben läuft eigentlich gerade alles super. Sie lebt glücklich mit ihrem Vater, einem angesehenen Kaufmann, und ihrem kleinen Bruder Simon. Ihre Welt zerbricht jedoch, als ihr Vater unerwartet stirbt... Der verhasste Onkel übernimmt die Vormundschaft für Henrike und ihren Bruder. Mit seiner Familie reißt er alles an sich. Auch die Geschäfte Henrikes Vaters will er übernehmen. Weil Henrike ihn nur stört, wird sie zu ihrer Tante an die Ostsee abgeschoben. Glücklicherweise lernt sie auf dem Gutshof Menschen kennen, die ihr bald sehr nahe stehen... 
Schon bald hegt Henrike Zweifel an den Absichten ihres Onkels. Und auch der Tod ihres Vaters wirft Fragen auf. Wird die junge Frau es schaffen, sich ihren Feinden entgegenzustellen und die Wahrheit aufzudecken? Trauen kann sie kaum noch jemandem... Nur Adrian, ein junger Kaufmannsfreund ihres Vaters, steht ihr jederzeit zur Seite. ..
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Obwohl das Buch fast 600 Seiten umfasst, schafft Sabine Weiß es, die Spannung aufrecht zu erhalten. Schon mit dem Prolog ist man gleich im Geschehen drin. Während der Prolog im Mai 1376 spielt, erfahren wir danach im Großteil des Buches, was in den Monaten zuvor passierte. Doch obwohl mit dem Prolog schon teils klar ist, worauf es hinaus laufen wird, nimmt dies keineswegs die Spannung. Zum Einen hätte ich den Prolog zwischendurch schon fast vergessen, weil die Monate zuvor bereits so turbulent verlaufen und zum Anderen baut der Prolog vor allem Spannung auf, klärt aber natürlich nicht schon zu Beginn auch die Fragen, die entstehen. 

Leider brauche ich bei historischen Romanen immer ein wenig Zeit zum Lesen, was mich bei "Hansetochter" besonders geärgert hat ;-) Ich hätte gerne viel früher gewusst, wie es weiter geht. Aber bei historischen Romanen brauche ich einfach die Zeit, um die ganzen geschichtlichen Fakten auch aufnehmen zu können. Und Fakten liefert Sabine Weiß viele. Bisher hatte ich mich noch nie mit der Geschichte der Hanse befasst und da kam so ein gut recherchierter Roman in der Blütezeit der Hanse doch genau richtig. Auf ihrer Homepage www.sabineweiss.com sind zusätzlich eine Landkarte aus der Zeit der Hansetochter und ein Literaturverzeichnis zu finden. 

Mich haben nicht nur die Beschreibungen des historischen Lübecks fasziniert, sondern besonders die Beschreibung des ehemaligen Hansekontors in Bergen/Norwegen. Ich war zwar geschockt über die "Bergener Spiele", die Sabine Weiß ebenfalls in den Roman eingebaut hat, doch gehörten sie ja nun mal damals dazu. Leider ist der Weg nach Bergen etwas zu weit - nach dem Buch würde mich eine Besichtigung des nachgebauten Hansekontors interessieren... 

Die Protagonistin Henrike war mir von Anfang an sehr sympathisch und ich habe sehr mit ihr gelitten, als ihr Vater starb, als ihr Vetter übergriffig wurde, als ihr Onkel sie verprügelte und an vielen vielen anderen Stellen. Ebenso habe ich mich in anderen Szenen mit ihr gefreut. Ich bewundere Henrike für ihre Stärke und ihren Mut, denn ich kann mir vorstellen, dass sich besonders in der damaligen Zeit nur wenige junge Frauen aufgebäumt und gekämpft hätten. 

Für mich ist "Hansetochter" nicht nur ein historischer Roman über die Zeit der Hanse, sondern vor allem ein Bericht über eine junge Frau, die sich entscheiden muss zwischen Sitte und Freiheit. Ob sie die brave, sittsame Waise sein kann, die ihre Verwandten aus ihr machen wollen. Oder ob sie für sich und ihren Bruder um ihr Erbe kämpft und sich als Frau in einer von Männern beherrschten Welt behaupten kann. 

Durch das alte Plattdeutsch, das Sabine Weiß öfters einfließen lässt, und die teils älteren Begriffe bekommt die Geschichte einen ganz besonderen Flair und zusätzlich lernt man auch hier noch wieder einiges dazu. Bisher wusste ich zumindest weder, was ein Hudevat noch was ein Wraker ist. 

Für Freunde historischer Romane kann ich "Hansetochter" auf jeden Fall empfehlen! Selten habe ich ein so informatives Buch gelesen, das gleichzeitig trotzdem so spannend zu lesen ist. 

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